Seit einiger Zeit verfolge ich das Geschehen auf dieser Seite, aufmerksam geworden durch eine Anzeige in unsrem regionalen Anzeigenblatt.
Ich kann mich vielleicht nicht so "gewählt" ausdrücken wie einige der anderen Autoren, aber ich denke, es versteht jeder, was ich sagen möchte.
Kurz zu meiner Geschichte: Der Vater meines Kindes ist Ausländer, in Deutschland aufgewachsen, Abitur mit 1 gemacht, also kein Dummkopf. Wir sind zusammen in sein Heimatland gegangen, ich habe meinen Job hier aufgegeben und die Sprache gelernt, war auf seinen Wunsch hin Hausfrau, natürlich erst recht, nachdem unser gemeinsamer Sohn geboren war. Nach 7 Jahren Ehe hat mich mein Mann betrogen, auf übelste Art und Weise, psychisch fertig gemacht und sich einfach nur noch bescheuert benommen. Nach 4 monatigem Kampf meinerseits um unsere Ehe meinte er schließlich, wir sollten uns besser trennen.
Ich bin daraufhin mit meinem Sohn nach Deutschland gezogen, 2000 km weg von seinem Vater. Ich habe es mir lange überlegt, ob ich das verantworten kann, meinem Sohn seinen Vater "wegzunehmen", NUR weil der der Mutter das Leben zur Hölle macht. Frau ist manchmal sehr, sehr leidensfähig. Nach langen Gesprächen, auch mit Anwälten, Psychologen und anderen klugen Menschen habe ich beschlossen, dass es für meinen Sohn und auch für mich besser ist, nach Deutschland zu gehen. Mein Sohn hat hier ein soziales Umfeld (Onkel, Tante, Oma, Opa, Cousine und mittlerweile Freunde aus der Nachbarschaft und dem Kiga), das er so in der Fremde nie haben hätte können und er genießt es, Teil seiner Familie zu sein. Es geht ihm sehr gut und das schon seit 3 Jahren.
Wobei ich auch sehr betonen muss: Mein Ex-Mann und ich waren uns von Anfang an einig, dass wir das Beste für unser Kind wollen, weil er ja schließlich nichts dafür kann, dass wir es vergeigt haben. Koste es, was es wolle. Mich hat es meinen Stolz und sehr viele Nerven und Kraft gekostet, meinen Ex kostet es jeden Monat den Unterhalt und noch dazu die Reisen zu uns um seinen Sohn abzuholen. Er macht es gerne, sagt, wenn es der Mutter gut geht, geht es seinem Sohn auch gut. Er kann es sich leisten, uns zu unterstützen und ist stolz darauf, seinem Sohn das bieten zu können. Wir haben ein kleines Häuschen mit Garten, das er uns gekauft hat, zumindest zum größten Teil. Er will, dass sein Sohn ein schönes Umfeld hat und in einer schönen Umgebung aufwachsen kann. Und er ist froh, dass dies in einer kleinen, ländlichen Stadt passiert, wo es persönlicher ist und das Leben wesentlich ungefährlicher als in großen Städten ist.
Ich hab meinen Ex gehasst, eine Zeit lang, ich war unendlich wütend und verletzt. Anfangs war es für mich sehr schwer, mit ihm vernünftig umzugehen, was aber wegen des Kindes sein musste. Er war damals 2,5 Jahre und da gibt es einiges zu erzählen bei einer "Übergabe". Mittlerweile weiss ich, dass es ihm gut geht, wenn er bei seinem Vater ist, was auch viel wieder gut gemacht hat. Und natürlich auch die finanzielle Unterstützung, wodurch ich sehr viel Zeit für meinen Sohn habe und dieser das sehr genießt. Es heißt nicht, dass ich ihn verwöhne oder falsch erziehe, im Gegenteil, sogar meine Ex-Schwiegermutter hat mich für meine Erziehung gelobt, was ja wirklich was heißen muss.
Mein Sohn ist nun 6 Jahre alt, kommt bald zur Schule, sein Vater ist bei der Einschulung dabei und wir versuchen, so viel Normalität zu geben, wie es geht.
Was ich mit dem ganzen Text vor allem sagen will: man kann nicht generell sagen, alle Trennungsmütter sind böse und schlecht. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an und ich habe immer wieder erlebt, dass sich auch einige Trennungsväter nicht wirklich vorbildlich verhalten.
Wahrscheinlich ist das jetzt alles schwer zu verstehen, ich bin ziemlich aufgewühlt, aber ich hoffe, man kann mir folgen.
Ich bin jederzeit bereit, über dieses Thema zu diskutieren und habe auch noch mehr zu sagen, aber ich denke, da suche ich mir dann einzelne Punkte aus. Ich wollte nur mal meine Situation kurz erzählen und würde mir wünschen, dass mein Eintrag einige Menschen hier zum Nachdenken bringt...
Liebe Grüße
Eva |